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Autoliebe

1980er-Jahre, München.

Meine damalige Frau arbeitete in einem Medienunternehmen, das an mehreren Standorten in Deutschland und Österreich Agenturen unterhielt. Sie erzählte: Ihr Chef, Eigentümer und Direktor des Unternehmens, sei viel auf Reisen, am liebsten mit dem Auto.
Sein Dienstwagen, – standesgemäß – ein Mercedes der oberen S-Klasse, hatte allerdings schon einige Jährchen und entsprechend viele Kilometer auf dem Buckel. Und so drängte der Chef der Finanzabteilung ihn dazu, einen neuen Dienstwagen anzuschaffen, weil der alte steuerlich längst abgeschrieben sei.
„Nein, der Wagen ist noch in Ordnung, ich bin voll zufrieden damit“.
Zu der Zeit musste in einer der Agenturen die Stelle des Agenturleiters neu besetzt werden. Als erste seiner Amtshandlungen beantragte er einen neuen Dienstwagen.
Der Finanzchef nahm dies zum Anlass und brachte den Vorschlag, dass dann gleich zwei Fahrzeuge angeschafft werden sollten. Denn es wäre nun wirklich an der Zeit, dass er, der Direktor, sich von seinem alten Auto trenne. Zudem sei dann sicherlich ein größerer Rabatt herauszuschlagen.
Der Direktor ließ sich endlich überzeugen.
Aber, es müsse nur ein neues Fahrzeug angeschafft werden, denn sein alter Wagen sei noch gut in Schuss, den könne man dann dem neuen Agenturleiter überlassen.
Gesagt, getan. Der Direktor erhielt einen funkelnagelneuen BMW, der Agenturleiter den alten Mercedes.
Doch der Direktor war, aus welchen Gründen auch immer, nicht glücklich mit dem neuen BMW. Bei jeder sich ergebenen Gelegenheit brachte er zum Ausdruck, dass er seinen alten Mercedes vermisse.
Einige Wochen später trafen sich die Leiter der einzelnen Agenturen zu einer turnusmäßigen Konferenz in einem Tagungshotel irgendwo in der Mitte Deutschlands. Der neue Agenturleiter war auch dabei.
Am Ende der Tagung spielte sich nach Ohrenzeugen folgender Dialog zwischen dem Direktor und dem neuen Agenturleiter ab:
Direktor: „Ich hab' gesehen, dass Sie mit meinen alten Mercedes da sind. Sind Sie zufrieden damit?“
Agenturleiter: „Nun ja, es ist halt ein altes Auto. Eigentlich hätte ich mir ein neueres Modell vorgestellt.“
Direktor: „Was halten Sie von BMW?“
Agenturleiter: „Ja, das wär’s.“
Der Direktor greift in seine Taschen, kramt den Autoschlüssel hervor und übergibt diesen dem Agenturleiter mit den Worten:
„Hier! Laden Sie alles um und bringen mir dann Ihre Schlüssel.“
Gesagt, getan.

Der Agenturleiter hatte sein Wunschauto, Der Direktor ist glücklich mit seinem alten Mercedes nach Hause gefahren.

-h-